
Über's Brot
Autor
Hanno Höfer
Alle Leute essen Brot. Das ist dann so selbstverständlich geworden, dass sich niemand mehr gewundert hat oder sich wundert, von wo es kommt usw… Jedenfalls ist das Brot 6.000 Jahre alt (ich meine, die Geschichte des Brotes ist 6.000 Jahre alt, denn wenn das Brot so alt wäre, dann wäre es ein Stein). Brot wird allgemein als Inbegriff der Nahrung anerkannt oder als „Stab des Lebens” (wenn man jetzt so ein Brot anschaut, meint man wirklich, es ist ein Stab). Ägypter buken Brot unter freiem Himmel, die Römer betrachteten das Brot als Göttergabe. Bei den Römern war der Bäcker zur gleichen Zeit auch Müller. So war dann das erste Zunftzeichen der Bäcker der Mühlstein (meiner Meinung nach keine sehr gute Werbung fürs Brot, was die Härte anbelangt) und ich denke, kein Römer hat dieses Brot gekauft. Es gab damals einen berühmten Spruch, schlicht und einfach „circenses”, aber nach der Einführung der unentgeltlichen Brotverteilung hieß es „panem et circenses“, denn das gilt auch heute, alles, was umsonst ist, ist willkommen. 49 v.u.Z. wurden etwa 360.000 Römer mit Brot versorgt. Die Art, in der die römischen Bäcker das Brot buken, ist auch bekannt, aber ich will jetzt nicht darauf eingehen.
Der Fladen, der früher sehr populär war (ob er gut war, ist nicht überliefert), soll ein Zufallsprodukt gewesen sein. Ich meine, das ist eher ein Produkt der Unaufmerksamkeit. Das, was jetzt kommt, ist kein Witz: Einer Frau in der Vorzeit, die mal Brei gemacht hat, ist eine kleine oder große Portion davon in die Asche gefallen. Diese Portion wurde geröstet und die Frau entdeckte dann den Fladen. Anmerkung: Eben weil es ein Zufallsprodukt war, ist das Rezept nicht bekannt.
Die Nomaden waren sehr praktisch und waren (auch meiner Meinung nach) die Erfinder des Campings und Caravanings, denn, das ist wiederum kein Witz, sie hatten einen mobilen Backofen, den sie mit sich herumschleppten.
Rauf zum Mittelalter: Damals hatte jeder Bäcker sein Zunftzeichen, aber wenn man jetzt auf ein Brot schaut, sieht man nur 59623 oder 84539. Was ist denn das? Das heutige Zunftzeichen, oder was? Also, zurück zum Mittelalter: Damals hatten die Bäcker ein Kuhhorn oder so etwas Ähnliches, um ihre Kunden heranzulocken (oder besser gesagt abzuschrecken), aber sie brauchten ein ordentliches Zunftzeichen. Und so kann man die enge Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Zünften erklären. Also, der Bäcker braucht ein Zeichen, er hat aber keins. Er bläst in sein Kuhhorn, dann meinen die Leute, es ist ein Minnesänger und schauen alle nach oben, ob nicht irgendwo das Mädchen sitzt. Der Bäcker steht vor einem Problem: Wie kann er beweisen, dass er ein Bäcker ist, und nicht nur ein Vorfahre von Louis Armstrong? Er nimmt also einen Stock und hängt sein Gepäck auf die Straße hinaus (von daher kommt wohl der Ausdruck „Stab des Lebens”), aber er kann nicht dauernd dabei sein, um aufzupassen, dass die Rotznasen es nicht stehlen. Er muss ja auch noch backen. Und so kommt er zum Klempner. Und jetzt beginnt die eigentliche Zusammenarbeit und die Kette ohne Ende: der Bäcker braucht ein Firmenschild, er geht zum Klempner, also ohne Klempner wäre kein Bäcker, wäre kein Brot, wäre kein Klempner usw. usf.
Ganz früher war das Backen Frauensache. Aber 812 erließ Karl der Große eine Verordnung, laut derer jeder Amtmann in seinem Sprengel auch Bäcker haben sollte. Seitdem ist Backen keine Frauensache mehr (nachdem der Bäcker offiziell wurde).
Es gab sogar Karten, die den Bäcker des 18 Jhs. die Masse des Brotes verordneten. 1817 gab es sogenannte Brotpfennige aus Kupfer: Auf der einen Seite stand in der Mitte „1 Brod“, auf der anderen „Elberfelder Kornverein“ und rundherum „Kauft in der Zeit 1816“, also gültig für ein Jahr.
Auch in der Literatur hat das Brot seine gute Seite. Hätten die Leute aus Mississippi nicht mit Blei gefüllte Brotlaibe ausgesetzt, wäre Tom Sawyer verhungert. Hätte der sächsische Bäcker Max und Moritz nicht in Brotteig gewickelt, wären die auch gestorben. Glück für sie. Goldene Regeln:
Der Erfinder des Brotes ist nicht bekannt.
Macht nichts.
Wenn man während des Backens keine Löcher ins Brot macht, platzt es.
Der Rest ist Legende.
P.S. 1955 entstand das erste Brotmuseum der Welt in Ulm.
Hanno Höfer – XI. D



