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Anno dazumal

Autor

Alexandru Avram

Die Frage, wann die erste deutsche Schule in Bukarest eröffnet wurde, ist umstritten. Allerdings weiß man, dass seit 1844 jährlich in den Berichten der deutschen Gemeinde Schüler und Schülerinnen erwähnt werden, welche die deutsche Schule besuchten; auch finden sich erst nach 1844 verschiedene Schenkungen und Kollektenerträge, die der Schule zugeführt wurden.
Wir mögen aber berechtigt sein, uns die Frage zu stellen, inwieweit der Unterricht in der Muttersprache auch noch früher erteilt worden war. Könnte man annehmen, dass es in den älteren Zeiten keine Bemühungen in dieser Richtung gegeben hat? Wenn mangels Urkunden eine endgültige Antwort über die früheren Jahrhunderte unmöglich zu sein scheint, werden die Anfänge des Unterrichts in deutscher Sprache in Bukarest um das Ende des 18. Jahrhunderts angenommen.
Die Frühgeschichte der Bukarester deutschen Gemeinde ist so gut wie unbekannt. Fest steht allerdings, dass die aus Siebenbürgen eingewanderten Sachsen die deutsche Bevölkerung aus dieser Gegend bildeten und dass sie vornehmlich evangelischen Glaubens waren.
In Bezug darauf scheint es nicht ganz uninteressant, dass schon 1574 eine evangelische Kirche ("église des Luthériens") existiert haben soll, insofern man geneigt ist, dem Bericht des Franzosen Pierre Lescalopier zu vertrauen. Außer dieser isolierten Nachricht gibt es aber keine diesbezüglichen Urkunden bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts. Hier und da stößt man auf einen Reisebericht eines Siebenbürger Sachsen, der seine Glaubensgenossen in Bukarest besucht hat.
Man kann dagegen nicht dasselbe über die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts sagen; die Urkunden legen diesmal Zeugnis vom Aufschwung ab, den die Bukarester deutsche Gemeinde erlebt hatte, nachdem Fürst Ioan Grigore II. Ghica (1748-1752) das durch "Hrisov" befestigte Privilegium erlassen hatte, wodurch die Gemeinde die freie Religionsausübung erhielt und ihr außerdem auch andere Rechte eingeräumt wurden.
Soll unter diesen günstigen Bedingungen Unterricht in der Muttersprache erteilt worden sein? Eine solche Annahme ist im Lichte einiger Urkunden naheliegend. Gewiss gab es kein Schulgebäude. Abgesehen aber vom unsicheren Wert der Überlieferung, der zufolge der Pfarrer selbst den Unterricht der Schüler in seinem Haus geleitet haben soll, befinden wir uns im Besitze einiger "chronistischer Aufzeichnungen" aus der Matrikel des Kronstädter Honterusgymnasiums, die ein neues Licht auf unsere Angelegenheit werfen. So zum Beispiel wird 1781 der Absolvent Teophilus Phronius erwähnt, der sich in Bukarest, in der Walachei, befand und der das Pädagogenamt bekleidete ("Bukarrestini in Valachia existens, paedagogici ibidem beneficio fungitur"). Auch der am 18. Juni 1786 die Abschlussprüfung ablegende Michael Fonking war als Schulmeister in Bukarest tätig ("rector Bukarestini"), wie auch nach dem 16. Oktober 1793 Georg Tellmann ("ludimagister Bukarestae") oder Johann Barben aus Rosenau, der anderswo im November 1802 als Rektor in Bukarest auftaucht.
Es geht also daraus hervor, dass man schon seit dem Ende des 18. Jahrhunderts für die schulpflichtigen Kinder Sorge getragen hat, auch wenn zahlreiche finanzielle Schwierigkeiten, welche die Gemeinde erlebt haben soll, vorhanden waren. Von einem Unterrichtswesen im echten Sinne des Wortes kann aber noch nicht die Rede sein.
Man muss noch bis 1844 warten, als dank der Anstrengung Friedrich Binders, eines anderen ehemaligen Schülers des Honterusgymnasiums, eine Schule in Bukarest begründet wurde. Nachdem Binder eine strenge Prüfung bestanden hatte ("dato examine rigoroso"), ist er nach Bukarest geschickt worden, um der hiesigen Vernachlässigung des Unterrichts ein Ende zu setzen.
In den ersten Jahren ist der Aufschwung der Schule besonders der materiellen Unterstützung einiger Enthusiasten und sogar mancher gekrönter Häupter zuzuschreiben. So z.B. spendete 1855 Friedrich Wilhelm IV., König von Preußen, 2000 Reichstaler, woran die Bedingung geknüpft wurde, dass wenigstens die Stelle eines Lehrers durch einen an preußischen Seminaren ausgebildeten Lehrer besetzt werde.
1868 wurde ein Schulhaus für die Elementarschule erbaut. Am 3. November 1873 wurde eine Realschule eröffnet und mit einer Bibliothek ausgestattet. Danach folgte am Anfang des 20. Jahrhunderts eine Höhere Handelsschule. Gleichzeitig kam es zu einem allmählichen Zuwachs der Schüleranzahl – von 50 Schülern (1844) auf 1056 im Jahre 1898/99.
Viele Lehrer, die in diesen Schulen im Laufe der Zeit tätig waren, haben sich durch ihre Verdienste ausgezeichnet. Eine besondere Aufmerksamkeit soll aber dem rumänischen Schriftsteller Ion Slavici geschenkt werden. Er übernahm eine Lehrerstelle im September 1910 und war bis ungefähr 1917 dort tätig. Er selbst schreibt in seinen Erinnerungen, er habe Rumänisch, Geschichte und Geographie Rumäniens unterrichtet. Er bemühte sich, eine Bibliothek in rumänischer Sprache zu gründen – so wie es sich aus einem Sitzungsprotokoll ergibt, das im Archiv unserer Schule zu finden ist. Außerdem lag es in seiner Absicht, ein Grammatiklehrbuch der rumänischen Sprache für den Gebrauch deutscher Schüler zu verfassen, von dem aber bis zuletzt nur ein einziges Kapitel erschienen ist.
Nach dem Ersten Weltkrieg beginnt eine neue Etappe in der Geschichte der deutschen Schule, die aber über den Rahmen unserer Erörterung hinausgeht, da wir uns nur mit der Frühgeschichte des Unterrichts in deutscher Sprache in Rumäniens Hauptstadt beschäftigen wollten.

Alexandru Avram

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