
Das Ende
Autor
Ion Jovin
Obwohl wir schon im September 1982 wussten, dass für uns das letzte Schuljahr beginnt, und dass wir somit die Schule beenden werden, wurden wir uns dieser Tatsache bewusst, als das Ende der Schule nahte.
In April hatten wir schon begonnen, massenweise Fotos zu machen. Egal wie, nur Fotos, die uns an die Schulzeit erinnern sollten. Obwohl wir alle für die Aufnahmeprüfung lernen mussten und obwohl die Zeit knapper wurde, trafen wir uns so oft wie möglich, um die Atmosphäre der Kollegialität und des Zusammenseins ein wenig zu verlängern.
Es stellte sich noch ein Problem: die Abschlusskleidung. Jeder Jahrgang hatte seine eigene „Absolventenuniform”. Nur wir durften keine tragen. Man hatte uns jedoch mitgeteilt, dass man den Beschluss womöglich ändern würde, und deshalb kamen wir überein, uns eine Uniform für alle Fälle zu beschaffen.
Nach langem Zögern wurden wir uns einig, und haben passende Modelle gefunden, die jeder ein wenig nach eigenem Geschmack ändern wollte, um die Monotonie zu vermeiden.
Ende Mai haben wir auch die Klassenbilder gemacht – etwa zwanzig, – die unsere Klasse in allen möglichen Varianten zeigte: die Klasse mit dem Klassenlehrer auf den Treppen, vor dem Eingang der Schüler, die Klasse ohne Klassenlehrer auf derselben Treppe, alle Jungen der Klasse mit dem Klassenlehrer, alle Jungen ohne Klassenlehrer u.s.w… Dann, zuallerletzt, haben wir die Vorbereitung für die letzte Klassenstunde begonnen.
Es war ziemlich schwierig, weil wir nicht wussten, was zu einer solchen Gelegenheit üblich ist. Andererseits wollten wir etwas ganz Besonderes und Originelles schaffen, nur mangelte es an Ideen.
Wir hatten keine Ahnung, was wir zu tun hatten, was wir sagen oder machen sollten. Zum Spaß wollten wir ein bisschen den Spieß gegen die Lehrer umdrehen, die es uns manchmal nicht sehr leicht gemacht haben. Unser größter Wunsch war aber, allen, und besonders unserem Klassenlehrer Ion Șerban Mircea Sârbu, für die wunderschönen Jahre, die wir in der Schule verbracht haben, zu danken.
Wegen Mangel an Ideen, die ziemlich spät kamen, haben wir unser Programm nur zwei Tage vor der Abschlussfeier fertiggestellt und deshalb hatten wir keine Zeit zum Proben. Es ist aber besser gewesen, weil das Ganze so an Spontaneität gewonnen hat.
Die Abschlussfeier war lustig, doch ein Hauch Trauer und Nostalgie war deutlich zu spüren. Alle dachten wohl daran, dass dieses das Ende bedeutete, und dass sie ein Teilchen ihres eigenen Ichs für immer in der Schule lassen würden.
Aber es ist nicht das Ende. Wir sind zwar nicht mehr Schüler der deutschen Schule, aber wir sind Absolventen. Und Absolventen haben auch ein Wort zu sagen. Denn durch die schönen Erinnerungen sind wir für immer an diese Schule gebunden.
Ion S Jovin, Absolvent
14 X 1983



