
Hinter der Glasscheibe
Autor
Dorin Dochinoiu
“Komm näher, Moli”.
“Was gibt's, Xifo?”
“Nichts Besonderes. Sie haben sich zu Tisch gesetzt.”
“Was machen sie sonst noch?”
“Mit den glänzenden Dingen führen sie ihr Essen zum Mund, wie gewöhnlich.”
“Heute sind es besonders viele.”
“Pass mal auf”, sagte Xifo. “Ein neuer Gang wird gebracht.”
“Schau, sie bringen unseren toten Meeresverwandten”, ergänzte Xifo.
“Jetzt wird er gegessen.“
“Huh, wie grausich.”
“Unser Herr schaut zu uns herüber.”
“Hello ihr!” sagte Albitsch, der Albino-Reinigungskünstler. “Wollt ihr aus dem Weg gehen?”
“Pst, Albitsch! Unser Herr guckt uns an”, antwortete Moli.
“Was schert mich unser Herr. Ich muss hier etwas ausgraben.”
“Warum?” fragte Xifo.
“Weil der Wasserwurm hier hereingedrungen ist.”
“Wasserwurm?” wunderte sich Moli.
“Ja. Einer ist auch entkommen. Dann gehört er mir.”
“Seid mal ruhig”, mahnte Xifo. “Unser Herr spricht über uns”. Der Junge im blauen Hemd sagte: “Morgen gebe ich den Fischen Wasserflöhe”,
“Wird das eine Jagd sein “, ergänzte eine Dame.
“Besser tust du das jetzt, damit wir auch die Jagd angehen”, meinte ein Herr im braunen Sakko.
“Wenn es meine Gäste wünschen...” diese Worte begleitete der junge Aquarienbesitzer mit einer Grimasse. Morgen muss ich wieder Wasserflöhe kaufen”, dachte er, “wenn ich sie heute benütze!”
“Alle Achtung, zehn Flöhe werden hineingesteckt”. Groß und Klein näherten sich dem Aquarium.
“Moli, ich kann nicht essen, wenn sie alle mich so anschauen,”
“Ich auch nicht, Xifo. Doch ich habe Hunger und...”
“Na, geh schon, Ich habe verstanden. ”
“Seht mal den König der Fische, Pterophyllum scalare”, erklärte der Herr.
“Wie stolz der ist”, stimmte die Dame zu.
“Moli, komm mal herüber”, schrie Xifo.
Moli schwamm zu ihm hinüber.
“Sieh dir diese Tante an, Moli”
“Sicher ha sie wieder vergessen, wie ich mit dem lateinischen Namen heiße”, sagte Moli.
Tatsächlich hörte man die Stimme der Dame.
“Wie heißt denn dieser kleine schwarze Fisch?”
“Er wird Molinesia sphenops genannt”.
“Und der andere schöne Rote daneben?”
“Xiphophotus helleri”.
“Aber die gestreiften Zebra-Fische?”
“Danio malaharicus”, antwortete der Junge gelangweilt.
“Und diese mit den dicken schwarzen Linien?”
“Diese heißen Puntius tetrazona, wir nennen sie Sumatramus, da sie von der Insel mit demselben Namen stammen.
„Xifo, findest du nicht auch dass diese Dame nicht eine Nörglerin ist?”
„Doch, doch!” antwortete dieser.
Eine andere Person drängte sich aus der Menge dem Aquarium näher. Es war ein dicker kleiner Mann, der den Eindruck machte, dass er etwas im Aquarium suchte. Endlich entschloss er sich zu fragen:
„Hast du noch Makrophorus, den ich dir vor Jahren geschenkt habe?”
„Ja, Ja!” antwortete der Junge. “Dort in der Ecke schwimmt er,”
„Moli! Hast du das gehört, schon wieder sucht der Mann seinen Fisch. ”
Eine kleine Stille stellte sich zwischen den Zuschauern. Nur die beiden Fische unterhielten sich.
„Wetten, dass die alte Tante jetzt sprechen wird”, sagte Moli.
“Ja sicher! Sie wird wieder ihren Enkel erwähnen, der einmal eine Forelle geangelt hat.”
Es dauerte nicht lange bis man die Stimme der Alten hörte:
“Mein Enkel hat einmal... ”
“Komm Moli, diese Geschichte höre ich mir nicht mehr noch einmal an.”
“Wir ziehen uns ins leere Schneckengehäuse zurück. Dort können wir ruhig schlafen. ”
Dorin Dochinoiu, X B



