
Ei, Ei, Ei
Autor
Hanno Höfer
Die Uhr ist ein Instrument, mit dem man die Zeit misst, wenn man sie überhaupt messen kann, oder besser gesagt, um sie in Stunden, Minuten, Pausen usw. einzuteilen.
Die Uhr tickt schon seit 1510. Aber sie existierte schon lange vorher, nur unter anderer Form.
Wie bekannt, war eine der ersten Uhren die Sonnenuhr, bei der der Schatten eines Stabs über das Zifferblatt wanderte. Diese Uhr wurde bis voriges Jahrhundert noch als die Hauptuhr angesehen. Ich meine, niemand hatte eine Sonnenuhr an der Hand, doch fast alle Uhren wurden damals nach ihr gestellt. Nur, da war ein großes Problem. Was geschah, wenn keine Sonne war? Dafür gab's auch ein Mittel, die Sanduhr und die Wasseruhr. Bei beiden rinnen Sand oder Wasser von einem Gefäß in ein anderes. Entschuldigung, die Wasseruhr tickt auch. Das ist genauso wie bei einem tropfenden Wasserhahn. Apropos Hahn. Die erste Uhr war der Hahn (der lebendige, versteht sich), der auch nicht tickt. Nur mit der Minuten- und Sekundenanzeige hat’s bei ihm noch nicht so richtig geklappt. Jedenfalls zurück zum Wasserhahn: Wenn die Uhr im Haus steht, zu allem Überfluss das Telefon auch nicht geht, dann kann man auch (vorausgesetzt, man hat Nerven und vor allem Zeit) die Uhr beim Wasserhahn richten. Nur, ein Problem kommt auf: Wie kriegt man das Wasser zurück in die Leitung?
Zurück zur Geschichte der Uhr. Wenn man keinen Sand, kein Wasser (oder Wein) hatte, dann gab es noch einen Ausweg: die Wachsuhr. Die Wachsuhren waren eigentlich Kerzen, in die in bestimmten Abständen ein Nagel herein gedrückt war. Je länger die Kerze brannte, desto mehr Nägel fielen heraus und man konnte die Zeit errechnen. Diese Uhr war eigentlich eine Universaluhr, sie zeigte eine für die damalige Zeit ziemlich genaue Zeit an, war in derselben Zeit auch Lichtspender und konnte auch als Wecker benutzt werden, wenn man die Kerze auf einen Blechteller stellte. Vorausgesetzt, man schlief bei Licht. Ich denke, das war die einzige Uhr in der Geschichte, die nicht tickte, sondern knisterte.
Die erste ordentliche Uhr, bei der man noch irgendwie erraten konnte, was es ist, war die Taschenuhr Peter Henleins, 1510 entstanden und weltbekannt als das “Nürnberger Ei”. Dieses Ei, ich meine die Uhr, besaß eine Spiralfeder als Antrieb. Es war die erste Taschenuhr und auch die erste Federuhr.
Ein Laie würde bei genauerer Betrachtung dieses Artikels, oder besser gesagt der ganzen Geschichte der Uhr, glauben, diese hätten etwas mit der Hühnerzucht oder Vogelzucht gemeinsam. Schaut mal: Die erste Uhr war der Hahn. Gut. Henlein produzierte das Nürnberger Ei. Das Nürnberger Ei war eine Federuhr, also Hahn, Henlein (phonetisch), Ei, Feder und last but not least die Kuckucksuhr. Eier, Vögel, Federn, das gibt doch zu denken…
Macht nichts. Zurück zur Uhr. Die Unruh wurde als Ersatz für das Pendel erfunden, und zwar von Christian Huygens, der damit seine eigene Erfindung verbesserte. Denn die Pendeluhr war auch von ihm. Von ihm stammt auch die Räderuhr. Er war ein großer Uhrwissenschaftler. Also seit damals, im 17. Jahrhundert, gibt es die Unruh auf der Welt, und die haben wir Huygens zu verdanken.
Unsere heutigen Uhren zeigen die Zeit sehr genau an. Es gibt reiche Uhren und arme Uhren. Bei den reichen steht immer 11 Rubine drauf, bei den armen nur “Made in Switzerland” oder so etwas. Die Schweizer Uhren sind sehr gefragt. Warum? Keine Ahnung. Vielleicht, weil sie schneller gehen? Möglich.
Da gibt es noch die Schwarzwälder Kuckucksuhren, bei denen jede halbe oder volle Stunde ein Kuckuck oben aus der Mansarde herauskommt und so lange “Kuckuck” schreit, bis der Hausherr wütend wird und einen Schlappen nach ihm wirft. Das erklärt also, warum der Kuckuck im Schwarzwald einige Zeit lang vom Aussterben bedroht war und sich beim Tierschutzverband eine Reihe von geschändeten Kuckucks beklagt haben. Ein paar Jahre später war auch für den Kuckuck die Rettung gekommen. Der lebendige Kuckuck wurde mit dem mechanischen Kuckuck ersetzt, und seither hört man das “Kuckuck” im Schwarzwald wieder und das Gezeter anderer Vögel, wenn Sie ein Kuckucksei finden.
Inzwischen aber verklingt das Ticken genauso leise, wie es aufgekommen war. Es tauchen die elektronischen oder Quarzuhren auf, die nicht ticken und die man auch nicht aufziehen braucht, sie halten mehr oder weniger lange (je nach der Batterie), löschen aber die Erinnerung an die gute Uhrzeit aus. Denn wer denkt ans Nürnberger Ei, wenn er schaut, wann die Stunde aus ist? Doch auch hier besteht eine Verbindung zwischen Uhr und Geflügelzucht. Die heutigen Uhren piepsen genauso wie die jungen Hühnerküken. Man müsste mal schauen, was eine Glucke machen würde, wenn man ihr eine Quarzuhr unterlegen würde.
Schluss jetzt. Ausgetickt. Und zuletzt die physikalischen Definitionen der Eigenschaften der Uhr.
1. Eine Uhr ist nur dann wasserdicht, wenn das Wasser hinein kann, aber nicht mehr hinaus.
2. Eine Uhr ist nur dann schockfest, wenn sie sowohl einem physischen als auch einem psychischen Schock standhalten kann.
3. Eine Uhr ist nur dann antimagnetisch, wenn sie den Magneten nicht leiden kann.
Definition
Ein Gebilde aus Stahl, Unruhfedern, Rubinen, Saphiren, Diamanten, das fähig ist oder nicht, mindestens die Uhrzeit anzuzeigen, nennen wir Uhr.
Das wär's.
Punkt.



