
Hesse
Autor
Mihaela Șerbulea
Motto: „Allem Lebendigen echte Brüder zu sein und in der Liebe zur Natur Quellen der Freude und der Ströme des Lebens zu finden.“ Hermann Hesse
Oft spüren wir eine Sehnsucht nach Erleichterung, und das Verlangen nach einer richtigen Beichte ist brennend. Decken wir uns nicht mit der Gestalt eines Peter Camenzind oder Emil Sinclair, oder sind wir vielleicht nur unwirkliche Vorbilder?
Die Einsamkeit der Berge und Seen, in der man sich manchmal besser fühlt als unter den Menschen, ist ein außergewöhnliches, wunderschönes Bild. Soll nicht auch echte Menschlichkeit, die ein elender Krüppel erfährt, beeindruckend sein?
Die Freundschaft ist eine unwiderstehliche Anziehung zweier Seelen, eine Brüderschaft. Doch die Suche nach einem Freund ist quälend. Gibt es überhaupt einen richtigen Freund oder ein Vorbild? Ist die Freundschaft eine perfekte Übereinstimmung der Gefühle und Gedanken? Die Beziehung eines Menschen zu einem anderen ist nicht nur geistiger Natur, auch müssen sie einen Fluss von einem zum anderen bewirken. Ist die tiefsinnige und reine Liebe das innigste Gefühl unseres Daseins?
Trost, Vertrauen, Sicherheit und Geborgenheit sind neben dem Gefühl der Sorge, der Schuld und des Verbrechens rührende Beweise für die Mannigfaltigkeit des menschlichen Wesens. Doch tritt uns die Vielfalt nur bei Kindern offen entgegen, deren seelische Not viel öfter heftig zum Ausbruch kommt.
Dringen einem alle Widersprüche des Lebens, der Unterschied zwischen dem Gewünschten und dem Erlangten ins Bewusstsein? Stefan Zweig meint: “Wie kannst du wissen, was ich tat, da ich selbst nicht weiß, was meine Hände tun.“ Im Gegensatz dazu jedoch fragt sich Hesse: „Warum musste man, was man gar nicht wollte?“ Und doch gibt es bei Hesse Gestalten, die den Weg zu ihrem Ziel, das sie klar vor Augen haben, unausweichlich gehen.
„Armer stürmender Mensch, der lauter Kräfte und keine Ziele hat!“ Ist das nicht ein Zeichen innerer Zerrissenheit? Eine Möglichkeit, den Sinn der menschlichen Existenz zu erobern und die Gegensätze zu überwinden, wäre das Streben nach individueller Selbstverwirklichung. Das Alleinsein ist aber die schwerste Krankheit, und somit die Freundschaft die hellste und wunderbarste Seite des Lebens. Hesse gesteht, dass die Menschen sich gegenseitig verstehen können, dass aber „jeder nur sich selbst deuten kann“. Ist aber die Selbsterkenntnis wirklich möglich?
Jeder bewegt sich in einem ununterbrochenen Schwanken zwischen Wolf und Mensch, zwischen Natur und Geist, und das Auserwähltsein oder das Gemeine sind die beiden Fäden, die in jedes einzelne Leben verflochten sind, der eine dicker, der andere dünner, beide bereit, das Schicksal zu bestimmen.
Alle diese Fragen stehen in einer allgemeinen, klaren und verständlichen Sprache in den Büchern Hesses, die man als Lebenshilfe und als Ratgeber lesen kann.
Mihaela Serbulea, XII A



